Ottobeuren

 

Kurzbeschreibung:
Die Benediktinerabtei (764 gegründet) steht inmitten des Ortes Ottobeuren. Grundsteinlegung für die heutige Kirche war 1737; Weihe 1766. Es handelt sich um ein spätbarockes Bauwerk von Johann Michael Fischer.
Besonders sehenswert sind neben dem Kirchenraum selbst das Chorgestühl (Die Reliefs stammen von Johann Josef Christian), die Fresken (Johann Jakob Zeiller und sein Vetter Franz Anton Zeiller ) und der Stuck (u.a. auch von Johann Michael Feuchtmayer).

 Basilika Ottobeuren

 

Geschichte:
764 wurde die Benediktinerabtei gegründet.
972 erreichte der Augsburger Bischof Ulrich von Kaiser Otto I. die Befreiung von allen Reichslasten und freie Abtwahl.
1102-1145 wird unter Abt Rupert I. die Hirsauer Reform für Ottobeuren übernommen und ein Neubau von Kloster und Kirche vollendet.
1365 wird die Selbständigkeit an Augsburg verloren. Im Bauernkrieg und dem Schmalkaldischen Krieg Mitte des 16. Jahrhunderts wird die Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen und anschliessend im Renaissance-Stil wiederhergestellt.
1630-1635 während des 30jährigen Krieges werden die Klostergebäue zweckentfremdet und geplündert.
1710 gelang es Abt Rupert II. Neß die Reichsunmittelbarkeit zurück zuerlangen und ab 1711 mit den Neubauten zu beginnen, die 1766 im wesentlichen fertiggestellt waren.
 

1802 gingen Kirche und Kloster im Rahmen der Säkularisation in bayerischen Staatsbesitz über.
1805 wurde die Kirche zur Pfarrkirche Ottobeurens.
1834/35 kam das Kloster zuerst unter Augsburger Priorat und wurde dann ab 1918 erneut selbständige Abtei.
1926 ernannte Papst Pius IX. die Kirche zur Basilica minor. Heute ist die Anlage ein Kloster mit Schule (Gymnasium und Realschule) und dient als Bildungsstätte.
1964 wurde der Komplex zur 1200 Jahrfeier stilrein renoviert.


Baugeschichte der heutigen Anlage
Der Ottobeurener Prior Chrisoph Vogt legt dem bauwilligen Abt Ruprecht II. Neß erste Planungen für einen Neubau vor. Obwohl unter anderen Dominikus Zimmermann (1732) und Johann Schmuzer (1735) Pläne einreichen, erteilt der Abt zunächst dem einheimischen Baumeister Simpert Kramer den Auftrag zum Neubau der Kirche. Er kombinierte Vogts ersten Entwurf mit Anregungen aus Weingarten. 1748 tritt Kramer zurück und Johann Michael Fischer übernimmt den Bau. In seinem Gefolge Johann Josef Christian und Johann Michael Feuchtmayer, mit denen er schon in Zwiefalten sehr erfolgreich zusammenarbeitete.
Zuerst werden sämtliche Konventgbäude gebaut und zum Schluss (Grundsteinlegung 1737, Weihe 1766) die Kirche selbst. Interessant ist die Tatsache, dass die alte Kirche noch bis 1748 genutzt und dabei eine ungewöhnliche Konsequenz in Kauf genommen wird: der Kirchenneubau wird genau in der Mittelachse des gesamten Klostertraktes vor diesem errichtet und gerät damit in die Ausrichtung Nord-Süd.
 


Der imponierenden Einheit des insgesamt kreuzartigen Grundkonzeptes wird die übliche Orientierung des Kirchenbaus mit dem Hauptchor im Osten geopfert. Fischer hat einen Bau von großartiger Weite und Helle geschaffen, was einen nach dem relativ dunklen Vorraum umso mehr überrascht. Steht man unter der Vierungskuppel, so erkennt man, dass der Raum zu einem großartigen Ganzen zusammengeschlossen ist und in ungebrochener Harmonie schwingt.
Durch die Entwicklung des Aufbaus und der planvollen Anordnung des Ausstattung gelingt dies Fischer, der sich im grossen und ganzen an Kramers Grundriß hält. Zum Beispiel dient der übermannshohe Sockel ringsum der Einheit. Auf diesem Sockel ruhen die mächtigen Senkrechten der Pfeiler und Säulen, darüber wieder ohne Unterbrechung ein breites Gesims. Auch die Tatsache, dass der ganze Raum lichtdurchflutet ist, ohne dass die Fenster selbst in Erscheinung treten, ist Fischers Absicht. So bleibt das Gefül eines einheitlichen Raumes. - Langbau und Zentralbau scheinen hier vereinigt.

 

Alle Kuppel- und Deckenfresken sowie die meisten Altarbilder stammen von den Tiroler Malern Johann Jakob Zeiller (1708 -1783) und seinem Vetter Franz Anton Zeiller (1716 - 1794). Das Thema der Deckenfresken ist der christliche Glaube und darüberhinaus die Kirchengeschichte.



Nachfolgend die Themen der Hauptfresken:

Nach dem Vorraum ist das erste Fresko dem heiligen Benedikt gewidmet, als ein wahrer Mann Gottes und geistbegnadeter Seher. Verherrlicht werden aber auch zahlreiche Heilige, die nach seiner Ordensregel lebten.

Die Vierungskuppel hat die Sendung des heiligen Geistes zum Thema. Im Zenit lässt sich die Taube des HL. Geistes leicht ausmachen. Sie wird von sieben Engeln umgeben, die die sieben Geistesgaben versinnbildlichen: Wissenschaft (Fernrohr, Füllhorn mit Globus, Universitätsszepter), Rat (Liktorenbündel, versiegelte Urkunde), Stärke (Säulenstumpf, Kapitell), Gottesfurcht ( Pfeil in der Brust, zunehmender Mond), Weisheit (geöffnetes Buch, Sonne vor der Brust, Fackel mit Schlange der Klugheit), Frömmigkeit (gefaltete Hände, Rauchopferschale, Gebetbuch, brennendes Herz) und Verstand (Hinweis auf die Stirn und in ein entrolltes Buch, fliehender Adler Jupiters=Heidentum, aber auch Preussens=Protestantismus).





Im Chorraum thront Gottvater inmitten seiner unsichtbaren Schöpfung, der Welt der Engel. Diese sind hierarchisch in neun Chöre geordnet: Serafine (mit mehreren Flügeln), Cherubine (6-zackige Sterne über dem Haupt), Throne (um Gottes Thron), Herrschaften (Kriegstrophäen, Banner), Mächte-Gewalten (Säulenschaft, Gestirne), Kräfte (Schutzengel mit Gesetzestafeln), Fürstentümer (Kurfürstenhut, Reichsinsignien), Erzengel (Rafael mit dem kleinen Tobias und dem Dämon Aschmodai, Michael im Kampf mit den abtrünnigen Engeln, Gabriel mit der Lilie) und Engel.
Das Hochaltarfresko führt uns in die Endzeit, zu dem Tag an dem Christus wiederkommt und im Beisein der 24 Ältesten die sieben Siegel vom Buch des Lammes entfernt werden, aber auch zum Tag der Auferstehung aller Toten und des Endgerichts.(Offb 4ff)

Von besonderer Güte ist in Ottobeuren wie schon in Zwiefalten das Chorgestühl. Das bewährte Duo Martin Hermann und Johann Josef Christian hat ein weiteres Mal sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Hermann lieferte eine hervorragende in den Chorraum perfekt eingepasste Schreinerarbeit, für die Christian Reliefs aus Lindenholz schnitzte, die vergoldet wurden. Themen: 9 Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt stehen 9 Szenen aus dem alten Testament gegenüber. Geschmückt wird das ganze Chorgestühl noch durch Christians Prophetenbüsten und Hermen.
Auch die großen Stuckfiguren der Kirche sind von Christian, so z. B. die Kanzel mit der "Verklärung Jesu" und als Gegenstück "Die Taufe Jesu im Jordan".
In den Ecken der Vierung findet man die vier Kirchenväter Gregorius d. Gr.(SO), Hieronymus (NO), Augustinus (NW) und Ambrosius (SW).
Der übrige Stuck wurde von Johann Michael Feuchtmayer gefertigt, dem es in genialer Weise gelingt Lebensfreude zu vermitteln, ohne kitschig oder gar überladen zu wirken.
Auch die 12 großen Figuren auf dem Hauptgesims stammen von Feuchtmayer.
Im Kloster selbst seien noch der Kaisersaal mit Deckenbild von Carl Stauder und 16 überlebensgroße Kaiserfiguren von Anton Sturm sowie die Bibliothek zu erwähnen. Ihre Galerie ruht auf 40 Stuckmarmorsäulen und wurde von Johann Baptist Zimmermann stuckiert. In der alten Abtei (früher Sitz und Wohnung des Reichsabtes) ist heute ein Museum eingerichtet, das die Kunstsammlungen der Abtei zeigt.

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